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Rückblick auf das Ende der Welt

Herausgegeben von
Dietmar Kamper und Christoph Wulf

168 Seiten, Broschur
Euro 28,00 [D]; 28,80 [A]; SFr 38,50
ISBN 978-3-924963-47-7

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Eine internationale und transdisziplinäre
Studie zur historischen Anthropologie


Kurzdarstellung

Die Beiträge dieses Bandes stammen von einem Symposion, das in New York im Herbst 1986 in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin, der Columbia University New York (Sylvère Lotringer), dem Goethe-Institut, New York und der Stiftung zur Förderung der Philosophie, New York, stattfand.

Aus der Einleitung:
Die »Welt« war niemals mehr als ein Bild, eine regulative Idee, ein normatives Konzept für die Planung und Durchsetzung der Weltgesellschaft. Ihre lange Zeit verdeckte, nun offene Beziehung zur politischen Gewalt, die notfalls bis zum Äußersten gehen würde, läßt das Konzept prekär werden. In Anbetracht der unzulässigen Abstufung von »erster«, »zweiter«, »dritter« und »vierter« Welt ist es höchste Zeit, nach Möglichkeiten einer Überwindung der These von der »einen« Welt zu suchen, die ein Dominanzgefälle eurozentrischer Macht hinterlassen hat. Wer jedoch heute weiterhin von Einheit spricht, spricht von Zerstörung. Am Ende des 20. Jahrhunderts wird der Niedergang der großen Vision des 19. Jahrhunderts allenthalben sichtbar. Nicht so sehr das wirkliche Ende der Welt (obwohl die Machthaber, um ihrer Obsession treu bleiben zu können, es wahrscheinlich in Kauf nehmen) als das imaginäre: dieses Besessensein vom letzten Augenblick, an dem jedermann teilnehmen möchte; die immense Beschleunigung aller Tendenzen, welche auf den Ruin der Verhältnisse hinauslaufen; die kursierenden Omnipotenzphantasien im »Machen« des neuen Menschen, die immer deutlicher als destruktiver Wille sich manifestieren; die Anbetung der Mittel bei völliger Desorientierung in den Zwecken; die Unfähigkeit, wirklich etwas gegen die offensichtliche und eingesehene Wendung ins Schlimme zu tun; die Ästhetisierung des Schreckens als Versuch (immerhin), den Verhängnissen einer weltweiten Katastrophe zuvorzukommen – all das scheint ein unausweichliches Ende der »Welt« zu annoncieren.
Die Beiträge des Bandes betrachten diesen schleichenden Prozeß der Auflösung einer regulativen Idee vom Punkt eines zweiten Futurs aus, so als ob es bereits gelungen sei, die Verheerungen der Welt-Bild-Ordnung hinter sich zu lassen. Dabei geht es darum, das, was in den Fundamenten ohnehin geschieht, zu beschleunigen, um Zeit zu gewinnen für eine planetarische Perspektive, für eine historische Anthropologie und eine historische Kosmologie, die methodologisch der inneren Vielheit des Menschen und seinen äußeren Welten gewachsen sind.

Inhalt

Einleitung
Edgar Morin: Annäherungen an das Nichts
Christoph Wulf: Die Zeitlichkeit von Weltbildern und Selbstbildern
Richard Harvey Brown: Telos und Transformation gesellschaftlicher Bedeutungssysteme – Einem neuen Weltbild entgegen
Gunter Gebauer: Der Ort von Anfang und Ende. Über Höhlen und ihre Symbolsysteme
Hans-Dieter Bahr: Eschatastrophe oder: Die letzte Wendung
Jean Baudrillard: Die magersüchtigen Ruinen
Peter Sloterdijk: Das Andere am Anderen. Zur philosophischen Situation der Alternativbewegungen
Dieter Lenzen: Verschwinden der Erwachsenen: Kindheit als Erlösung
Dietmar Kamper: Zwischen Simulation und Negentropie. Das Schicksal des Individuums im Rückblick auf das Ende der Welt
Paul Virilio: Das letzte Vehikel

Zu den Autoren

Hans-Dieter Bahr, Professor für Philosophie in Wien. Veröffentlichungen u.a.: Über den Umgang mit Maschinen, Tübingen 1983; Sätze ins Nichts. Ein Versuch über den Schrecken, Tübingen 1985.

Jean Baudrillard, Professor für Soziologie, Université de Paris 1979. Einige Veröffentlichungen: Der symbolische Tausch und der Tod, München 1982; La gauche divine, Paris 1984; Fatale Strategien, München 1985; Amerika, München 1987; Cool memories, Paris 1987; La transparence du mal, Paris 1989.

Richard Harvey Brown, Professor für Soziologie, University of Maryland, College Park. – Veröffentlichungen u.a.: A Poetic for Sociology, Cambridge University Press Chicago 1977; Society as Text, The University of Chicago Press 1987; Social Science as Social Discourse, The University of Chicago Press 1989.

Gunter Gebauer, seit 1978 Professor für Sportwissenschaft, Privatdozent am Institut für Philosophie und Mitglied des Forschungszentrums für Historische Anthropologie an der Freien Universität Berlin. – Veröffentlichungen u.a.: Der Einzelne und sein gesellschaftliches Wissen, 1981; Das Laokoon-Projekt – Pläne einer semiotischen Ästhetik (Hg.; 1984); Mitherausgeber der Reihe Historische Anthropologie, Berlin 1988ff.

Dietmar Kamper, Professor für Soziologie und Mitglied des Forschungszentrums für Historische Anthropologie an der Freien Universität Berlin. – Veröffentlichungen u.a.: Zur Geschichte der Einbildungskraft, München 1981; Zur Soziologie der Imagination, München 1986; Hieroglyphen der Zeit, München 1988; mit Chr. Wulf Herausgeber von 12 Bänden unter dem Rahmenthema »Logik und Leidenschaft«; Mitherausgeber der Reihe Historische Anthropologie, Berlin 1988ff.

Dieter Lenzen, Professor der Erziehungswissenschaft (Philosophie der Erziehung) und Mitglied des Forschungszentrums für Historische Anthropologie an der Freien Universität Berlin. – Veröffentlichungen u.a.: Herausgeber der Enzyklopädie Erziehungswissenschaft, 12 Bände, Stuttgart 1982ff.; Pädagogische Grundbegriffe, 2 Bände, Reinbek bei Hamburg 1989; Mythologie der Kindheit, Reinbek bei Hamburg 1985; Mitherausgeber der Reihe Historische Anthropologie, Berlin 1988ff.

Edgar Morin, Soziologe, Mitherausgeber der Zeitschrift Communication, Forschungsdirektor am Centre de Recherches Sociologiques (CNRS); Forschungsschwerpunkte: Methode, Anthropologie, Gesellschaft, Politik. – Veröffentlichungen u.a.: Das Rätsel des Humanen, München 1973; Pour sortir du vingtième siècle, Paris 1981; La méthode, Bd. 1, Bd. 2, Bd. 3.1, Paris 1977, 1980, 1986; Europa Denken, Frankfurt a. Main/New York 1985.

Peter Sloterdijk, freier Schriftsteller. – Veröffentlichungen u.a.: Kritik der zynischen Vernunft, Frankfurt a. Main 1983; Der Zauberbaum, Frankfurt a. Main 1985; Der Denker auf der Bühne. Nietzsches Materialismus, Frankfurt a. Main 1985; Zur Welt kommen – zur Sprache kommen 1988.

Paul Virilio, Professor an der École spéciale de l'architecture, Paris. – Veröffentlichungen u.a.: Geschwindigkeit und Politik, Berlin 1980, Fahren, fahren, fahren, Berlin 1978, La machine de vision, Paris 1988, L'inertie polaire, Paris 1989.

Christoph Wulf, Professor für Allgemeine und Vergleichende Erziehungswissenschaft und Mitglied des Forschungszentrums für Historische Anthropologie an der Freien Universität Berlin. – Veröffentlichungen u.a.: Theorien und Konzepte der Erziehungswissenschaft, München 3. Aufl. 1983; Wörterbuch der Erziehung, München 6. Aufl. 1986; (Hg.) Lust und Liebe. Wandlungen der Sexualität, München 1985; mit D. Kamper Herausgeber von 12 Bänden unter dem Rahmenthema Logik und Leidenschaft; Mitherausgeber der Reihe Historische Anthropologie, Berlin 1988ff.

 

 

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