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Ellen Küppers
Emigranten in New York

Persönliche Schicksale in Gesprächen
und Dokumenten

Mit zahlreichen Abbildungen und Dokumenten
160 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
Euro 38,00 [D]; 39,10 [A]; SFr 50,90
ISBN 978-3-924963-64-4

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Ein eindrucksvolles Dokument der Zeitgeschichte


Kurzdarstellung

Sie sagen: »Dort, wo unsere Heimat ist, haben wir kein Zuhause. Und da, wo wir unser Zuhause haben, ist nicht unsere Heimat.« Sie sprechen deutsch, fühlen deutsch, lesen deutsche Zeitungen. Sie wissen besser über das Theaterprogramm in Deutschland Bescheid als so mancher Deutscher. Sie kennen die aktuellen Ausstellungen und wissen, was, wann, wo, welcher Politiker gesagt hat. Aber sie sind Amerikaner, amerikanische »Citizens« – und das seit Jahrzehnten. Genauer gesagt, seit der Zeit, als sie aus Deutschland vertrieben wurden. Es ist die Rede von deutsch-jüdischen Emigranten in New York. Jene Emigranten der ersten Generation, die heute noch in der Viel-Völker-Stadt leben. Heute sind sie alt, manche sehr alt, aber immer noch aktiv, berufstätig, bis in die hohen Achtziger hinein. Da gibt es den Chefredakteur einer kleinen Zeitung, der immer noch Leitartikel schreibt, da gibt es die Dame im österreichischen Konsulat, die dort immer noch ihr eigenes Büro hat und ehemals die erste weibliche Strafverteidigerin Wiens war. Da gibt es den Geiger auf der Upper Westside am Broadway, der sich noch immer etwas zu seinem Lebensunterhalt dazuverdient, indem er auf der Straße spielt. Es gibt den ehemaligen Chefkoch des Waldorf-Astoria, der Liz Taylors ausgefallenen Appetit zufriedenstellte. Es gibt die Schauspielerin, den Handwerker, die Fotografin, den Juwelier, den Lebensmittelhändler, den Komponisten. Sie alle blicken zurück auf die Stationen ihres Lebens, die oft genug mühsam, gefährlich, abenteuerlich waren. Ein Leben, in dem man alles verloren hatte und gerade noch mit dem Leben davon gekommen ist. Ein Leben, in dem man alles wiederaufgebaut hat, woanders, in einer neuen Heimat. Die neue Heimat hat ihnen den Anfang nicht leicht gemacht. Amerika war ahnungslos damals oder einfach »nicht interessiert«. Das Land beschäftigte sich mit sich selbst, mit der eigenen wirtschaftlichen Depression und wünschte sich die »Happy Days« von ehedem zurück. Doch eins war klar: Deutschland war der Feind. In Deutschland waren sie als Juden »unerwünscht«, in Amerika waren sie als Deutsche »nicht willkommen«. Aber irgendwie haben sie ihr Glück gemacht, »ihr Leben gemacht«, wie sie sagen: They made their lives. Ihr Leben und New York hat sie jung erhalten – und wenn sie heute »Heimat« sagen, dann meinen sie das Deutschland vor Hitler, denn das Deutschland nach Hitler hat sie nie wieder zurückgebeten – häufig zu ihrem Bedauern.

Inhalt

Ellen Küppers: Washington Heights oder »The Forth Reich«
Erich Hartmann: »Ich bin ja nicht nur Fotograf – ich bin ja auch Mensch«
Erika Stone: »Es war ein Schock für uns, als wir erfuhren, daß wir jüdisch sind«
Werner Stein: »Ich tue das im Andenken an alle deutsch-jüdischen Emigranten.«
Leo Glueckselig: »Wir wissen ja immer erst, wenn man Distanz gewinnt, was die Vergangenheit bedeutet hat.«
Fritz Spielmann: »Ich bin oft neben meinen Schuhen gegangen.«
Ludwig Stein: »Aber sie konnten nichts machen«
Kurt Ermann: »Aber zuerst müssen Sie erstmal was essen.«
Charlotte und Richard Arnstein: »Das waren ja alles Demokraten.«
Bianca Berger: »Ich bin 92 Jahre alt und komme aus Berlin!«
Leo Blau: »In Deutschland hat man mich fortgeschickt, in Palästina wollte man mich nicht haben, in Amerika war ich ein Refugee.«
Clementine Zernik: »Die kleine Jüdin ist a Kanon'!«

Zur Autorin und ihren Gesprächspartnern

Bianca Berger, eine lebhafte, 92-jährige Berlinerin. Sie war die Schulfreundin von Marlene Dietrich. In Breslau führte sie zusammen mit ihrem Mann einen Großhandel und hatten die Generalvertretung für Trumpf-Schokolade. Die Bergers emigrierten über Kuba nach New York. In Washington Heights (New York) eröffneten sie wieder ein kleines Geschäft.

Kurt Ermann, Mitte 70 und stammt aus Wittlich am Rhein, aus. Er war lange Jahre Chefkoch des Waldorf-Astoria und lernte Prominente wie Elizabeth Taylor oder Frank Sinatra kennen.

Leo Glueckselig, 81 Jahre alt, stammt aus Wien. Ein erfolgreicher Grafiker mit eigenen Ausstellungen. Außerdem ist er Mitglied des langjährigen Stammtisches, der noch von Oskar Maria Graf gegründet worden war. Seine Schwägerin Gabi Glueckselig führt den Stammtisch heute noch. Sein Bruder war Fritz Bergammer, ein bekannter Exilschriftsteller.

Erich Hartmann, 72 Jahre, stammt aus Passau. Ein sehr erfolgreicher Fotograf, ein »Magnum-Fotograf«. Magnum ist die renommierteste Fotoagentur Amerikas. Berühmt wurde er durch Industriefotografie. In wenigen Wochen erscheint von ihm beim Norton-Verlag ein Bildband über Konzentrationslager wie sie heute aussehen.

Fritz Spielmann, 88, Komponist, stammt aus Wien. Er komponierte Filmmusik für MGM in Hollywood, schrieb Songs für Frank Sinatra, Elvis Presley, Doris Day, Nat King Cole u.a. Außerdem schrieb er Musicals für den Broadway, das bekannteste: The stingiest Man in Town mit Walter Matthau. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

Erika Stone, 70 Jahre, erfolgreiche Fotografin, stammt aus München. Zu ihren früheren Freundinnen gehörte auch Traudl Jung, die Privatsekretärin Adolf Hitlers. Erika Stone arbeitete für Time-Life-Magazine, den European Picture Service, d.h. für den Stern und den Spiegel. Sie hat viele berühmte Persönlichkeiten fotografiert, darunter Willy Brandt, Marilyn Monroe, Lauren Bacall. Ihre Fotografien unterscheiden sich in Intention und Ausdruck deutlich von denen von Erich Hartmann.

Ludwig Stein, Ingenieur, Jg. 1924, stammt aus Eschwege; floh 1939 mit seiner Familie aus Deutschland und wurde in New York ein erfolgreicher Ingenieur und arbeitete insgesamt 14 Jahre an der Brooklyn-Bridge, restaurierte außerdem die Freiheitsstatue und leitete viele Großbauten in Manhattan.

Clementine Zernik, 88 Jahre, war eine der ersten weiblichen Strafverteidigerinnen Wiens. Sie emigrierte nach New York, ging aber noch während des Krieges zurück nach Europa und arbeitete für die BBC als Kriegsberichterstatterin, später in Lagern für DPs (Displaced Persons). Da sie in den USA ihren Beruf nicht ausüben konnte, schlug sie sich mit Gelegenheitsarbeiten durch und wurde schließlich Bibliothekarin für die UNO.

Ellen Küppers, Literaturwissenschaftlerin, lebt und arbeitet als freie Autorin und Herausgeberin bei München.

 

 

 

 

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