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Ranke_Epochen_Web

Leopold von Ranke
Über die Epochen der neueren Geschichte

Vorträge dem Könige Maximilian II. von Bayern
im Herbst 1854 zu Berchtesgaden gehalten

320 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Euro 32,00 [D]
ISBN 978-3-946619-81-9

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Ein Überblick über die Geschichte von einem
der großen Klassiker der Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts


Textauszug

In jeder Epoche der Menschheit äußert sich also eine bestimmte große Tendenz, und der Fortschritt beruht darauf, daß eine gewisse Bewegung des menschlichen Geistes in jeder Periode sich darstellt, welche bald die eine, bald die andere Tendenz hervorhebt und in derselben sich eigentümlich manifestiert. Wollte man aber im Widerspruch mit der hier geäußerten Ansicht annehmen, dieser Fortschritt bestehe darin, daß in jeder Epoche das Leben der Menschheit sich höher potenziert, daß also jede Generation die vorhergehende vollkommen übertreffe, mithin die letzte allemal die bevorzugte, die vorhergehenden aber nur die Träger der nachfolgenden wären, so würde das eine Ungerechtigkeit der Gottheit sein. Eine solche gleichsam mediatisierte Generation würde an und für sich eine Bedeutung nicht haben; sie würde nur insofern etwas bedeuten, als sie die Stufe der nachfolgenden Generation wäre, und würde nicht in unmittelbarem Bezug zum Göttlichen stehen. Ich aber behaupte: jede Epoche ist unmittelbar zu Gott, und ihr Wert beruht gar nicht auf dem, was aus ihr hervorgeht, sondern in ihrer Existenz selbst, in ihrem eignen Selbst. Dadurch bekommt die Betrachtung der Historie, und zwar des individuellen Lebens in der Historie einen ganz eigentümlichen Reiz, indem nun jede Epoche als etwas für sich Gültiges angesehen werden muß und der Betrachtung höchst würdig erscheint. (Aus dem ersten Vortrag)

Der Autor

Leopold von Ranke (1795–1886), bedeutender deutscher Historiker, besuchte von 1809 bis 1814 die Landesschule Pforta. Sein Studium absolvierte er von 1814 bis 1818 in der Theologie und Philologie an der Universität Leipzig. Ab 1818 war er Gymnasiallehrer in Frankfurt (Oder). 1824 wechselte er nach Berlin und wurde an der dortigen Universität außerordentlicher Professor. Von 1827 bis 1831 bereiste Ranke die Archive des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches, dazu 1829 das Staatsarchiv Venedig, 1832 nahm ihn die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin als Mitglied auf. 1834 wurde Ranke ordentlicher Professor an der Universität, 1841 von König Friedrich Wilhelm IV. zum Historiographen des Preußischen Staates ernannt. Ranke gilt als einer der Gründerväter der modernen Geschichtswissenschaft. Nach den preußischen Reformen (um 1810) und der Gründung der ersten Berliner Universität unter Wilhelm von Humboldt hatte sich das Wissenschaftskonzept des Historismus durchgesetzt. Der Historismus unterschied sich durch einen systematischen und quellenkritischen Ansatz von der bisherigen vornehmlich philosophischen Geschichtsbetrachtung. Ranke geht es um möglichst große Objektivität bei der Wiedergabe der Geschichte. Rankes Geschichtsschreibung ist im Wesentlichen politische Staatengeschichte. Die in Erscheinung tretenden Personen haben in irgendeiner Weise politische Bedeutung. Die Erforschung der Staatenwelt ist ihm das Wesentliche. Die sozialen Gesichtspunkte wie die der gesellschaftlichen Unterschichten treten bei ihm meist nicht auf. Eines der wenigen Kapitel in seiner Geschichtsschreibung, wo sie so umwälzend in die Geschichte eintreten, dass sie nicht ignoriert werden können, gilt dem Themenfeld deutscher Bauernkrieg. Diese Auffassung von Geschichte schlägt sich besonders in der Geschichte der Reformationszeit und der des 17. Jahrhunderts nieder. Sie bleibt aber auch für die Geschichte des 19. Jahrhunderts nicht folgenlos. Ende des 19. Jahrhunderts kommt es zwischen den so genannten Rankeanern und Karl Lamprecht zum Methodenstreit der Geschichtswissenschaft, der eigentlich weniger ein sachlicher Streit als eine Verunglimpfung des neuen Denkansatzes Lamprechts war. Von 1832 bis 1836 gab Ranke die Historisch-politische Zeitschrift heraus. 1871 stellte er seine Lehrtätigkeit ein, arbeitete aber entschlossen an der Herausgabe seiner Sämtlichen Werke. 80-jährig begann er, seine Weltgeschichte zu diktieren, von der ab 1881 jährlich ein Band erschien und die nach seinem Tod aus seinen Aufzeichnungen ergänzt wurde.

Inhalt

Einleitung: Ausgangspunkt und Hauptbegriffe | 1. Wie der Begriff »Fortschritt« in der Geschichte aufzufassen sei | 2. Was von den sogenannten leitenden Ideen in der Geschichte zu halten sei | § 1. Grundlagen des römischen Reiches; Überblick über die ersten vier Jahrhunderte unserer Ära | 1. Gründung einer allgemeinen Weltliteratur | 2. Juristische Entwickelung | 3. Gründung der monarchischen Verfassung und einer durchgreifenden Verwaltung | 4. Gründung der Weltreligion | § 2. Umwandlung des römischen Reiches durch die Einwanderungen der Germanen und die Eroberungen der Araber| § 3. Die karolingische Zeit nebst der Periode des deutschen Kaisertums | § 4. Das hierarchische Zeitalter. Vom 11.-13. Jahrhundert | 1. Emanzipation des Papsttums vom Kaisertum | 2. Die Kreuzzüge | 3. Überwältigung der weltlichen Gewalt durch das Papsttum | § 5. Fünfte Periode: 14. und 15. Jahrhundert | § 6. Epoche der Reformation und der Religionskriege. Vom Ende des 15. bis gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts | § 7. Zeitalter der Entstehung und Entwickelung der Großmächte. 17. und 18. Jahrhundert | § 8. Das Zeitalter der Revolution | 1. Die Ausbildung der monarchischen Tendenz | 2. Die nordamerikanische Revolution | 3. Die französische Revolution | 4. Die Napoleonische Zeit | 5. Die konstitutionelle Zeit

Zum Text

Der Text des vorliegenden Neusatzes folgt der Auflage Leipzig 1906, erschienen im Verlag von Duncker & Humblot.

 

 


 

 

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