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Hartmut Winkler
Docuverse

Zur Medientheorie der Computer

380 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
Euro 58,00 [D]; 59,70 [A]; SFr 77,90
ISBN 978-3-924963-83-5

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Eine grundlegende Kritik und Analyse
der Neuen Medien. Ein intensiv, teilweise
kontrovers diskutiertes Buch


Kurzdarstellung

Mit der Entwicklung des internationalen Datennetzes ist eine vitale Debatte um den 'Computer als Medium' entstanden. In der Presse, im Netz selbst und an den Hochschulen wird die Frage diskutiert, was die Kennzeichen und Eigenschaften des neuen Mediums sind; und es erweist sich, daß der etablierte Medienbegriff den neuen Gegenstand nur sehr unzulänglich beschreibt.
Die zweite Frage, damit eng verbunden, ist eine mediengeschichtliche: auf welche Weise nämlich schließt das neue Medium an die bestehenden Medien an?
Das vorliegende Buch geht davon aus, daß sich gegenwärtig ein tiefgreifender mediengeschichtlicher Umbruch ereignet. Eine Öffentlichkeit, die auf die technischen Bilder (Photographie, Film und Fernsehen) geradezu eingeschworen schien, scheint nun das gesamte Paradigma fallenzulassen und sich einer völlig neuen Medienkonstellation zuzuwenden. Warum aber findet dieser Umbruch statt? Was ist es, das einen so grundsätzlichen Wechsel offensichtlich erzwingt?
Der Text stellt die These auf, daß es weniger die Realitäten als bestimmte 'Wünsche' sind, die das neue Medium tragen. Diese Wünsche werden zugänglich, sobald man den Begleitdiskurs analysiert, den die gegenwärtige Implementierungswelle ausgelöst hat. Eigentümlich vorschnell und affirmativ wird dort als 'Möglichkeiten' diskutiert, was, kritischer gelesen, den Durchblick auf bestimmte Wünsche zuläßt; und zwar sehr allgemeine Wünsche, die sich in ähnlicher Weise auch schon an andere Medien gerichtet haben: das enzyklopädische Ideal, das gesamte Weltwissen an einem Ort zu versammeln, der Wunsch, ein 'Tableau', d.h. eine einheitliche Sphäre des Symbolischen zu errichten, das Erschrecken vor der Arbitrarität der Zeichen, und der Wunsch, dem Wuchern der 'natürlichen Sprachen' die Luzidität und Transparenz einer Universalsprache entgegenzusetzen.
Auf dieser sehr allgemeinen Ebene lassen sich Kontinuitäten zeigen, die sehr unterschiedliche historische Medienkonstellationen miteinander verbinden. Und gleichzeitig scheinen in der Entwicklung der bisherigen Medien spezifische Probleme entstanden zu sein, die das Datenuniversum mit seinen Mitteln zu lösen verspricht; erst die Defizite der etablierten Medien, so könnte man sagen, schaffen die Lücke, in die das neue Medium eintritt.
...
Das Buch insgesamt versucht eine Kritik bestimmter Positionen, die sich innerhalb der deutschen Medientheorie – voreilig, wie ich denke – als Konsens etabliert haben. Diesen betont affirmativen Ansätzen eine moralische oder kulturkritische Position entgegenzustellen, würde seine Wirkung wahrscheinlich verfehlen; die gewählte Methode ist deshalb die einer immanenten Kritik. Erst wenn man die Argumente aufgreift und ihre verdeckten Linien nachvollzieht, ihnen auf das Terrain der in Anspruch genommenen Theorien folgt, um von dort mit möglicherweise anderen Ergebnissen zurückzukommen, erst dann besteht die Chance, diesen Konsens zu erschüttern. Nicht die größere Skepsis gegenüber den Rechnern ist insofern die Pointe der Rekonstruktion. Strittig ist vielmehr, ob tatsächlich alle Wünsche, die sich gegenwärtig auf die Technik richten, dort gleich gut aufgehoben sind; als Drehscheibe zwischen der Technik, dem Symbolischen und dem Sozialen sind die Medien immer in Gefahr, selbst zum Fetisch zu werden. Und vielleicht ist es gerade im Interesse der Wünsche sinnvoll, diesen Weg nicht in jedem Fall mitzugehen.

Inhalt

Einleitung
1. Die Metapher des »Netzes« und das Modell der Sprache
Was treibt die Mediengeschichte an? | Computer, Schrift, Sprache | Die Netzmetapher in der Sprachtheorie | – Netze im Computer | Die Utopie einer »Externalisierung« der Sprache | Zusatz zum Begriff der Externalisierung
2. Ein Datenuniversum?
Zugänglichkeit als Utopie | Unifizierungsphantasien | Global Village und Noosphäre | Mediengeschichtliche Vorläufer | Folgerungen für das Datenuniversum
3. Gedächtnismaschinen
Anti-mechanistische Gedächtnistheorien und mechanistische Techniktheorien? | Individuelles Gedächtnis | Kollektives Gedächntis (Halbwachs) | Technik, Evolution und kollektives Gedächtnis (Leroi-Gourhan) | Aktuelle Ansätze | Kollektives Gedächtnis, Technik, Sprache, Computer
4. Verdichtung
Reproduktion ohne Verlust | Mnemopathie (Luria, Seresevskij) | Vergessen und Verdichtung (Freud) | Theorie der Signifikatbildung (Lacan) | Semiotische Folgerungen: Verdichtung, Sprache, Diskurs und System | Verdichtung und Computer
5. Bildmedien und Computer
Probleme bei der Konzeption von Mediengeschichte | Eine Krise der Bilder ? | Sprachkrise um 1900 – Schauder vor der gesellschaftlichen Vermittlung und vor der Arbitrarität | Sprachkrise: Die Theorie der zwei Köpfe | Technische Bilder | Die Krise der Bilder | Computer
6. Isolation
Zur Theorie des Digitalen: – Transparenzutopien | Isolation, erste Klärung: Isolierte Dinge, isolierte Zeichen | Erster Gegenbegriff: Kontext | Kritik an der Isolation: Künstliche Intelligenz | Holistische Gegenpositionen | Medien | Semiotische Perspektive: – Isolation und Kontext | Identität versus »Artikulation« (Derrida) | Artikulation: Techniktheorie, Rolle des Menschen und der Geschichte | Ist der Kontext abschließbar? | Der Zeichenprozeß als Interaktion von Identität und Kontext | Kulturwissenschaftliche Perspektive: Fort-Da-Spiel, Trennung und Abstoßung | Rolle des Schmutzes und des Amorphen | Geschlechterwiderspruch | Geschlechterwiderspruch: Lebenspraxis, Denkstile, Mentalitäten | Rückbezug: Medien | Das Medium der Isolation
7. Schluß
Strategie im Reich der Wünsche
Literaturverzeichnis

Zum Autor

Hartmut Winkler hat sich mit der vorliegenden Arbeit an der Universität Frankfurt im Fach Medientheorie habilitiert. Zur Zeit ist er Professor an der Universität Paderborn. Veröffentlichungen: Switching/Zapping, Darmstadt 1991, Der filmische Raum. 'Apparatus', Semantik, 'Ideology', Heidelberg 1992. Weitere Informationen können über die Homepage des Autors im Internet abgefragt werden.

 

 

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