Biographie: Simon Kronberg

 

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Simon Kronberg
Ausführliche Biographie

Zusammengestellt von
Armin A. Wallas

 

Simon Kronberg 1891–1947



1891
26. Juni: Geboren als unehelicher Sohn von Reisel Scheindlinger und Nathan Arzt in Wien. Mutter: Reisel (Rosa) Scheindlinger, Tochter von Liebe Scheindlinger und Mendel Appermann; geboren am 8. August 1858, gebürtig aus Lemberg (Galizien), umgekommen im Konzentrationslager Theresienstadt (abgemeldet am 20. August 1942 aus dem Altersheim in Wien, Seegasse 9, IX. Bezirk); Transport IV/8-69 (21. August); gestorben am 29. August 1942. Vater: Nathan Arzt, Sohn von Eisig Arzt und Tiller Arzt, geb. Arzt; geboren am 2. Februar 1846, verwitwet seit 3. Juli 1887 (seine erste Frau Amalia, geborene Appermann, starb an »Brustdrüsenentartung«), gebürtig aus Jaroslau (Galizien), Hausierer in Wien, gestorben am 6. Mai 1929 in Wien. Wohnung: Wien, Lessinggasse 12, II. Bezirk (Leopoldstadt). Hebamme: Elisabeth Blum. 3. Juli: Beschneidung (Milah); Mohel (Operateur): Jacob Rebensaft.

1893
1. Dezember: Geburt des Bruders Josef (Joschi); emigrierte nach Palästina und starb, zuletzt erblindet, in den frühen 70er Jahren; seine in Wien bei der Schwiegermutter verbliebene Frau wurde ein Opfer der nationalsozialistischen Judenvernichtung.

1895
27. Mai: Heirat der Eltern in der Ferdinandstraße 2/3, II. Bezirk; Beistände: Josef Schleifer und Mendel Kohn. 2. Juli: Geburt der Schwester Ottilie (Tilly); verheiratet mit Theo Warenberger, blieb wegen ihrer Ehe mit einem »Arier« von der Judenvernichtung verschont und starb in den 60er Jahren.

1897–1902
Besuch der Volksschule. Umzug der Familie in die Treustraße 11, XX. Bezirk.

1898
9. Dezember: Vaterschaftserklärung von Nathan Arzt.

1900
23. Januar: Ablehnung des Gesuchs von Nathan Arzt, den Familiennamen in »Kronberg« zu ändern. 2. Dezember: Nach Rekurs Genehmigung der Namensänderung durch das Ministerium des Inneren.

1902–1911
Besuch der k. k. Franz Joseph-Realschule, Unterbergergasse 1, XX. Bezirk; Bekanntschaft mit dem Mitschüler Carl Figdor, geboren am 2. Dezember 1892 in Wien.

1912
17. März: Einzug Obere Augartenstraße 6, II. Bezirk. Sommersemester: Studium an der Universität Wien als Lehramtskandidat für Realschulen (außerordentlicher Hörer der philosophischen Fakultät). 23. August: Untauglicherklärung durch die Stellungskommission.

1913
4. April: Zweite Musterung (Diagnose einer schwachen Lunge).

1913/14
Besuch der »Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus«, geleitet von Emile Jaques-Dalcroze, in der Gartenstadt Hellerau bei Dresden. Liebesbeziehung zu Toni Jamme, einer Lehrerin für rhythmische Gymnastik; Freundschaft mit Laure Wagner.

1914
Anfang Januar: Aufenthalt in Wien. Anfang März: Kurzaufenthalt in Berlin. 25. März: Abreise von Hellerau nach München, um Schauspielunterricht zu nehmen; Wohnung: Hohenzollernstraße 14. Er bemüht sich, Unterricht bei Generalintendant Ernst von Possart und in der von Otto König geleiteten Schauspiel- und Redekunstschule (Ludwigstraße 17) zu erhalten, wird jedoch von beiden abgelehnt; finanzielle Unterstützung durch Toni Jamme. 16. Juni: Dritte Musterung in Salzburg; er wird wegen allgemeiner Körperschwäche und Lungenschaden als für Waffen- und Hilfsdienst untauglich klassifiziert; Rückkehr nach München. 1. Juli: Reise nach Genf und Lausanne; Besuch bei Laure Wagner. 18. Juli: Weiterreise nach Köln; Wiedersehen mit Toni Jamme; Bewerbung um Aufnahme an der »Hochschule für Bühnenkunst« des Düsseldorfer Schauspielhauses; Wohnung: Immermannstraße 15. 8. September: Ankunft in Wien; er wohnt bei seinem Freund Carl Figdor (Rembrandtstraße 36, II. Bezirk) und in der Zeltgasse 11, VIII. Bezirk. 25. September: Abreise nach Düsseldorf; Wohnung: Bahnstraße 70, ab 18. Januar 1915 Immermannstraße 8. Anfang Oktober bis 9. Dezember: Unterricht an der neueröffneten »Hochschule für Bühnenkunst« (geleitet von Hans Franck) des Düsseldorfer Schauspielhauses (Direktion: Louise Dumont und Gustav Lindemann) als Freischüler; wegen zunehmender Differenzen mit seinen Lehrern Beendigung des Unterrichts. Ab Dezember: Phonetikunterricht bei Hedwig Peuchen; Ausbildung zum Phonetiklehrer; Erteilung von Privatstunden und Vorträge in Schulen.

1915
23. Februar: Nach einem dringenden Schreiben von Carl Figdor Fahrt von Düsseldorf nach Wien über München (Treffen mit der Schauspielerin Hela von Hoesslin). 25. Februar: Weiterfahrt nach Wien. Gemeinsam mit Figdor Aufenthalt in Wiener Neustadt, am Semmering und in Baden; ab 2. März Mietzimmer bei Ida Schwarz, Gonzagagasse 19, I. Bezirk; Plan zu einer Reise nach Prag. 10. März: Rückreise nach Düsseldorf über München (neuerliches Treffen mit Hela von Hoesslin). 27. März: Neuerliche Musterung in Köln. März: Absicht, sich als Phonetiklehrer in Berlin niederzulassen. 11.–14. Mai: Phonetikunterricht am Lyzeum und Oberlyzeum, Höhere Mädchenschule und Comenius-Seminar in Bonn. 18. Mai: Ankunft in Berlin; Wohnung in Friedenau, Goßlerstraße 21. Ausarbeitung eines eigenen Systems der Phonetik und rhythmischen Gymnastik. 18.–25. Juni: Aufenthalt in Wien (Studienabschluß Carl Figdors, der sein Studium der Geographie am 28. Juni 1915 mit der Promotion zum Doktor der Philosophie abschloß). 17. Juli: Anerkennender Brief von Franz Pfemfert, dem Herausgeber der expressionistischen Zeitschrift Die Aktion, über die frühen Gedichte Kronbergs. 2.–30. August: Aufenthalt in Dresden. 18. September: Beginn der Liebesbeziehung zu der Schneiderin Dorothea Christiana Frieda (»Friedl«) Gieseke, geboren am 11. Februar 1891 in Berlin. November: Plan zu einem »Judendrama« rund um die Gestalt des Rabbi Löw. 4.–10. Dezember: Aufenthalt in Hellerau. 11. Dezember: Neuerliche Musterung in Berlin.

1915/16
Weiterer brieflicher und telefonischer Kontakt mit Franz Pfemfert.

1916
Ab Mai: Schauspielunterricht bei Maria Moissi-Urfus; Einstudierung von Shakespeare-Rollen. 17. Juni: Als erste Veröffentlichung Kronbergs erscheint das Gedicht Nacht in der Aktion; weitere Publikationen in Pfemferts Zeitschrift folgen: Chamlam erzählt sich Märchen (23. Dezember 1916), Spur (30. März 1917), Rabbi Chas n (19. Mai 1915), Erdbeben (30. Juni 1917), Kapitel (20. Oktober 1917), Die Blüte (4. Mai 1918) und Kaddisch, Gebet der Söhne für ihre toten Väter (27. Juli 1917). Arbeit beim Postscheckamt in Berlin. 15. September: Neuerliche Musterung.

1917
14. März: Heirat mit Friedl (»Hibi«) Gieseke. 19.–26. August: Aufenthalt in Wien; Wohnung bei Figdor.

1917–1920
Angestellter des Magistrats Berlin in der Abteilung für Kohlenversorgung.

1919
Juni/Juli: Aufenthalt in Wien, gemeinsam mit seiner Frau; Unterkunft bei Figdor.

1919/20
Kontakt mit Wolf Przygode, Hermann Kasack, Edlef Köppen, Georg Kulka, Hetta Mayr, Martin Gumpert und Oskar Loerke, desweiteren mit dem Verleger Gustav Kiepenheuer; er gehört dem Kreis um die von Przygode herausgegebene Zeitschrift Die Dichtung (1918–1923) an.

1920
Im Programmheft vor der Zweiten Folge der Dichtung, besorgt von Edlef Köppen, erscheint das Gedicht Trost. 18. September: Vollendung des Dramas Schimen in der Stille. September: Vertragsunterzeichnung für die Drucklegung des Buches Chamlam mit Gustav Kiepenheuer. Arbeit am Drama Die Verstümmelten (verschollen), den Prosastücken Das Dorf (verschollen), Die Erschütterung (verschollen) und Chas n sowie an einem Band Aufzeichnungen und Lyrik Der Morgen. Oktober: Ausflug an den Starnberger See auf Einladung Köppens; Rückreise über Weimar. Dezember: Veröffentlichung von Aufzeichnungen (Kind; Nichtwissen; Hüten; Müde; Schweigen; Freund; Jüdische Erde; Schimen Ben Nussen; Kauhen) und der lyrischen Prosa Chas n Hak uhen im Ersten Buch der Zweiten Folge der Dichtung. 10. Dezember: Kündigung beim Berliner Magistrat; Kronberg begibt sich auf Stellensuche; Unterstützung durch den »Schutzverband deutscher Schriftsteller«.

1921
Januar: Nach der Lektüre des Romans Tohuwabohu von Sammy Gronemann Plan zu einem Roman mit jüdischer Thematik. März: Der Prosaband Chamlam erscheint im »Verlag der Dichtung« Gustav Kiepenheuer (Potsdam). 20. März: Im Rahmen einer Matinee des »Verlags der Dichtung« Vorlesung des Dramas Schimen in der Stille in der Tribüne. 6. Mai: Vollendung des Dramas Lammed und Vorlesung im Freundeskreis. Juli: Arbeit am Prosaband Der Fremdling (verschollen). August/September: Antritt einer Stelle im Lohnbüro der Schuhfabrik von Alfred Hess in Erfurt; Kontakt mit Zionisten, vermittelt durch den Prokuristen Dr. Ludwig Klein; Unterkunft bei der Familie Schmidt. November/Dezember: Eine Auswahl von Gedichten aus dem Zyklus Der Morgen erscheint in der Hamburger expressionistischen Zeitschrift Kündung (Der Morgen; Zurück; Aufgerissen; Vor der Tätigkeit; Werde; Der Freund).

1922
5. Januar: Zur Chanukkafeier der zionistischen Ortsgruppe Erfurt Uraufführung des Dramas Jeruscholajim im Winter (verschollen). Februar/März: Rückkehr nach Berlin-Friedenau. Stellensuche und Absicht, Sänger zu werden; finanzielle Unterstützung durch Freunde, vor allem durch Dr. Klein. Ab Mai: Gesangsstunden bei Paul Mangold. Juli: Aufenthalt in Wiesbaden. August: Umarbeitung des Dramas Lammed. Oktober: Chorsingen in der Synagoge. Dezember: Aufführung der Pantomime mit Gesang und Chor Psalm 102 (verschollen) in Erfurt.

1923
Frühjahr: Im Zweiten Band der Zweiten Folge der Dichtung erscheinen Gedichte und Aufzeichnungen (Notturno; Weihnacht; Requiem; Fortschreitende Freude; Schlaf; Gebet; Gesicht; Die Insel; Der Fremdling; Dämmerungs-Psalm; Freunde; Gütiger!; Der Jude; Chas n sagt...) sowie das Drama Schimen in der Stille. Juli: Probezeit als Beamter des »Keren Hajessod« in Mannheim. 1. August: Feste Anstellung durch den »Keren Hajessod« und Versetzung nach Berlin.

1924
Frühjahr: Fertigstellung des Dramas Der Nächtige (verschollen) sowie eines Romans (vermutlich Hinneni!) in Leipzig. 20. März: Vollendung des Dramas Freunde. April: Das Gedicht Die Stadt erscheint in 75 Abzügen als »Der Neuen Reihe Zweiter Einblatt-Druck« (Presse Oda Weitbrecht, Potsdam). 6. Dezember: Mitarbeit an einem Fest des Jüdischen Nationalfonds in Leipzig. 28. Dezember: Leitung des Chanukkafests des Jung-Jüdischen Wanderbundes, dem er als Jugendführer und Chorleiter angehört, in Gotha, und Aufführung des Stücks Gules (verschollen).

1925
Ab April: Besuch der Gesangskurse bei Heinrich Jacoby in Berlin. Juli: Probe und Aufführung des Stücks Die Söhne am Bundestag des Jung-Jüdischen Wanderbundes. August: Der Jung-Jüdische Wanderbund wird mit dem Brith Haolim (Bund der Aufsteigenden) fusioniert. November/Dezember: Veranstaltung von Festen in Leipzig und Erfurt.

1926
April: Nach der Trennung von seiner ersten Frau Lebensgemeinschaft mit (Margarete Charlotte) Herta Dautert, geboren am 19. Oktober 1899 in Berlin-Schöneberg, gestorben am 28. April 1981 in Schwarzach im Pongau (Österreich), begraben in Eben im Pongau. Umzug nach Neu-Tempelhof, Berlinerstraße. 5. September: Wohngemeinschaft mit Herta und Friedl in der Goßlerstraße; die erste Frau reist nach Wien, wo sie Figdor und die Eltern Kronbergs besucht. 19. Oktober: Fertigstellung des Dramas Das möblierte Gesicht. Stellung als Sekretär des Jüdischen Schulvereins und weitere Tätigkeit für den Jung-Jüdischen Wanderbund, der im Dezember eine »Arbeitsgemeinschaft« bildet, bei der Kronberg mit Hans Spanier zusammenarbeitet. Besuch der Hochschule für Musik in Berlin als Chorschüler.

1927
27. Januar: Geburt des Sohnes Peter Asik Daniel in der »Frauenklinik für weibliche Ärzte«. Juni: Umzug aus der Goßlerstraße in eine Wohnung in der Schützenstraße 38, später in die Lenbachstraße 11. Bis zur Emigration wechselnde Unterkünfte in Berlin. Dezember: Teilnahme am Führerlager des Jung-Jüdischen Wanderbundes in Berlin, gemeinsam mit Isi Reiss Referat zum Thema Feste und Feiern (Abteilung Praktika der Bundesarbeit im Rahmen der »Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft»).

1928
Februar: Projekt Das zeitgenössische Drama (verschollen). 1. Oktober: Kündigung der Stelle beim Jüdischen Schulverein; Aufgabe des Gesangsstudiums; finanzielle Unterstützung durch Dr. Klein. September/Oktober: Arbeit an Der Kampfruf (verschollen) und (vermutlich) wenig erfolgreiche Aufführung; Projekt: »Roman Zeitung«.

1929
16. August: Scheidung der Ehe mit Friedl Gieseke durch das Landesgericht für Zivilrechtssachen in Wien; 1936 nahm Friedl Gieseke wieder ihren Mädchennamen an, später heiratete sie den Ingenieur Alexander Schnell; um 1960 ist sie in Berlin gestorben.

1930
22. Januar: Heirat mit Herta Dautert am Standesamt Berlin-Steglitz.

1930–1932
Arbeit als Versicherungsdirektor in Berlin.

1932
In der Anthologie Zwischen den Zelten. Junge jüdische Autoren, herausgegeben von Julius Wassermann, erscheinen das Purim-Puppenspiel Porzellan und die dramatische Skizze Die Wand.

1933
Aufenthalt in Wien. Februar: Fusion von Brith Haolim (vormals Jung-Jüdischer Wanderbund) und Kadima zu Habonim Noar Chaluzi (Bauleute). November: Anschluß des Bundes Noar Haoved an Habonim.

1934
Oktober: Als Jugendführer des Bundes Habonim Noar Chaluzi Noar Haoved emigriert Kronberg, gemeinsam mit seiner späteren Frau Jael und seinem Freund Jakow Kohl, von Berlin über Triest – an Bord des Dampfers Jerusalem – nach Palästina; Ankunft in Haifa am 15. Oktober. Arbeit als Schuster im Kibbuz Givat Chajim. Später Tätigkeit als Stimmbildner und Improvisator von Chören als Freizeitbeschäftigung für arbeitende Menschen (Schira bezibbur = Gesang mit dem Publikum); daneben Fortsetzung der literarischen Produktion (Gedichte, Dramen, Filmskripte und Prosaarbeiten).

1936
Aufführung des Chorspiels Wien 1936 im Kibbuz Givat Chajim.

1937
1. März: Übersiedlung nach Haifa, Hadar Ha-Karmel, Haus Feingold, später 124, Sea Road. Gründung der Mittwoch-Abend-Gesellschaft.

1938
Scheidung von Herta und dritte Verehelichung mit Jael. 26. April: Fertigstellung des Dramas Ehud.

1941
26. Juni: Fertigstellung des Dramas Nittel (Blinde Nacht).

1942
Arbeit am Drama Der Tod im Hafen.

1944
18. Februar: Vollendung des Monologs Der verlorene Sohn. Juli: Arbeit an der Komödie Mamma.

1945
Juni: Arbeit an der Komödie Gänse.

1947
1. November: Tod, vermutlich durch Schlaganfall; kurz darauf Selbstmord seiner Frau Jael.

 

 

 

 

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