
Thomas Mann
Schriften zur Literatur
Erster Band
516 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 1 Abbildung
Format 20,5 x 13,5 cm
Euro 49,80 [D]
ISBN 978-3-96662-590-6
LIEFERBAR
Thomas Mann
Schriften zur Literatur
Zweiter Band
524 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 1 Abbildung
Format 20,5 x 13,5 cm
Euro 49,80 [D]
ISBN 978-3-96662-591-3
LIEFERBAR
Eine umfangreiche Auswahl der Schriften des Autors über Schriftstellerkollegen und ihre Werke
Zum Text [Über Fontane]
In seinem Gemüt wußte er sich nicht nur unabhängig von den »etablierten Mächten«, sondern hielt es für töricht, mit der Menschheit überhaupt, mit Beifall, Zustimmung, Ehren zu rechnen, als ob damit etwas getan wäre. »Wir müssen«, sagt er, »vielmehr unsere Seele mit dem Glauben an die Nichtigkeit dieser Dinge ganz erfüllen und unser Glück einzig und allein in der Arbeit, in dem Betätigen unser selbst finden«; und was etwa noch den Reichtum betrifft, so ging seine Geringschätzung dieses Glücksmittels gelegentlich bis zum Mitleid. »Wo viel Geld ist, geht immer ein Gespenst um. Je älter ich werde, je tiefer empfinde ich, soll heißen: je schärfer beobachte ich den Fluch des Goldes. Es scheint doch fast wie göttlicher Wille, daß sich der Mensch sein täglich Brot verdienen soll, der Minister natürlich anders als der Tagelöhner, aber immer Arbeit mit bescheidenem Lohn. Ererbte Millionen sind nur Unglücksquellen, und selbst die reichen Philanthropen sind elend, weil das Studium der Niedertracht und Undankbarkeit der Menschen ihnen ihr Tun verleidet.« Immerhin: sein Verhältnis zum Reichtum großen Stils war Neidlosigkeit, nicht Verachtung, und wenn er für seine Person wohl dem Satze Silvio Pellico’s zustimmte, daß jene Lage, die zwischen arm und reich in der Mitte liegt und also die Kenntnis beider Zustände leichter macht, am geeignetsten ist, das Gemüt der Menschen zu bilden, so nötigte doch sein Dichtersinn für Größe ihm, ähnlich wie es bei Heine den Rothschilds gegenüber der Fall war, für großartigen Reichtum ästhetische Bewunderung ab.
Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1922 erschienen im S. Fischer Verlag, Berlin.
Der Autor
Thomas Mann (1875-1955) war einer der bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Dem 1901 erschienenen ersten Roman »Buddenbrooks« folgten Novellen und Erzählungen wie »Tonio Kröger«, »Tristan« und »Der Tod in Venedig«. Der 1924 veröffentlichte Roman »Der Zauberberg«, mit dem er die Tradition des europäischen Bildungsromans fortführte, zeigt Manns Gestaltungskunst: Der Erzähler wahrt eine skeptisch- ironische Distanz zu den Figuren, typische Konstellationen kehren leitmotivisch wieder, und es herrscht ein syntaktisch komplexer, anspruchsvoller Stil. Diese Merkmale prägen auch die folgenden Veröffentlichungen, unter denen die Novelle »Mario und der Zauberer«, die Romantetralogie »Joseph und seine Brüder« sowie das Spätwerk »Doktor Faustus« hervorzuheben sind. Weithin Beachtung fanden auch seine Essays und Stellungnahmen zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Stand er der westlichen Demokratie zunächst skeptisch gegenüber, wandelte er sich zu Beginn der 1920er Jahre zu einem überzeugten Verteidiger der Weimarer Republik. Während der nationalsozialistischen Herrschaft emigrierte er 1933 in die Schweiz und 1938 in die USA, deren Staatsbürgerschaft er 1944 annahm. Von 1952 bis zu seinem Tod lebte er wieder in der Schweiz. Thomas Mann entstammte der angesehenen Lübecker Patrizier- und Kaufmannsfamilie Mann. Sein älterer Bruder Heinrich und vier seiner sechs Kinder, Erika, Klaus, Golo und Monika, waren ebenfalls Schriftsteller. [Wikipedia]
Inhalt des ersten Bandes:
Der alte Fontane | Anzeige eines Fontane-Buches | Heinrich Heine der Gute | Notiz über Heine | Jakob Wassermanns Caspar Hauser | Otto Julius Bierbaum | Ein Wort über Gottfried Keller | Chamisso | Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters | Goethe’s Laufbahn als Schriftsteller | Phantasie über Goethe | Goethe und die Demokratie | Zu Lessings Gedächtnis | Rede über Lessing | Kleists »Amphitryon« | Heinrich von Kleist und seine Erzählungen | Theodor Storm | August von Platen | Grillparzer | Arthur Schnitzler | Rudolf Borchardt | Gerhart Hauptmann zum siebzigsten Geburtstag | Gerhart Hauptmann | Gerhart Hauptmann in München | Versuch über Schiller | Ist Schiller noch lebendig? | Über Frank Wedekind | Zum sechzigsten Geburtstag Ricarda Huchs | Gedenkblatt für Hofmannsthal | Brief an Ernst Toller | John Galworthy zum sechzigsten Geburtstag | Stefan Zweig zum zehnten Todestag | Noch einmal der alte Fontane | Vorwort zu Gedichten von Max Hermann-Neiße | Knut Hamsun zum siebzigsten Geburtstag | Robert Musil | Bruno Frank | Hermann Hesse zum siebzigsten Geburtstag | Für Alfred Neumann | Freund Feuchtwanger
Inhalt des zweiten Bandes:
Über Goethe’s »Faust‹ | Goethe’s »Werther« | Zu Goethe’s »Wahlverwandtschaften« | Goethe und Tolstoi | Tolstoi | Tolstois »Anna Karenina« | Dostojewski – mit Maßen | Versuch über Tschechow | Bernard Shaw | Dem Dichter zu Ehren – Franz Kafka und »Das Schloß« | August Strindberg | Ein Brief über Heinrich Mann | Heinrich Mann | An Alfred Döblin | Franz Werfel | Oskar Maria Graf | Fragment über Zola | Die drei Gewaltigen: Luther – Bismarck – Goethe | Über die eigenen Werke: | Einführung in den »Zauberberg« | Joseph und seine Brüder | Der Joseph-Roman | Mein »Joseph und seine Brüder« | Die Entstehung des Doktor Faustus | Über den »Faustus« | Zu einem Kapitel aus »Buddenbrooks« | Bemerkungen zu dem Roman »Der Erwählte« | Einführung zu »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« | Über ›Königliche Hochheit‹ | Mein Verhältnis zum Faust-Roman
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