Einzeltitel

 

Zola_Arbeit

Émile Zola
Arbeit

Aus dem Französischen übersetzt
von Leopold Rosenzweig

684 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Mit 1 Abbildung
Euro 58,00 [D]
ISBN 978-3-96662-182-3

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»Und welch wunderbarer Lenker ist die Arbeit, welche Ordnung schafft sie überall, wo sie herrscht!«

 


Zum Text

Zola wendet sich in diesem Roman den neuen Herausforderungen der Industrialisierung zu. Damit verbunden war der allgemeine Wunsch nach sozialem Fortschritt, der im späten 19. Jahrhundert starken Auftrieb erhielt. Der Roman greift Themen auf, die Zola schon im »Germinal« geschildert hat. Während die Sozialisten auf der Grundlage der Marxschen Theorie einen blutigen Klassenkampf forderten, strebt Zola nach gegenseitiger Hilfe. Er schreibt: »Ich will zeigen, wie dieses ganze alte gesellschaftliche Gerüst unter dem demokratischen Schub zerbricht, wobei die Frage der Reorganisation der Arbeit sich als die zentrale Frage der zukünftigen Gesellschaft mit einer gerechten Verteilung des Reichtums stellt.« Die Weltausstellung von 1900, die Zola faszinierte, ist zweifellos ein roter Faden, der sich durch den Roman zieht. Der technische Fortschritt nimmt dabei einen zentralen Platz in der Geschichte ein. Er begann den Roman im März 1900 und schloß ihn im Februar 1901 ab. Erschienen ist er ursprünglich als Fortsetzungsroman in der Zeitschrift »L'Aurore« ab Dezember 1900, als Buch im Verlag Fasquelle im Mai 1901. Das Werk wurde von der poltischen Linken gut aufgenommen und erhielt begeisterte Kritiken, vor allem vom Sozialistenführer Jaurès. Die Genossenschaftsverbände, Anhänger von Fourier, sahen in Zola einen starken Verbündeten und organisierten am 9. Juni 1901 ein Bankett für ihn.

Der Text des Neusatzes nach der im Th. Kaur Verlag erschienenen Ausgabe, Berlin o.J. Sie ist eine leicht revidierte Ausgabe der in der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart und Leipzig, erschienenen 4. Auflage, 1901.

Zitat

»Und welch wunderbarer Lenker ist die Arbeit, welche Ordnung schafft sie überall, wo sie herrscht! Sie ist der Friede und der Genuß, wie sie auch die Gesundheit ist. Ich kann es nicht fassen, wenn ich sie verachtet, herabgewürdigt sehe, gefürchtet gleich einer Strafe und einer Schande. Sie hat mich nicht nur vom sicheren Tode gerettet, sie hat mir auch alles gegeben, was Gutes in mir ist, sie hat meinen Geist gebildet, meine Seele veredelt. Und welch ausgezeichneter Organisator ist sie, wie regelt sie die Kräfte des Geistes, die Tätigkeit der Muskeln, die Funktion jeder einzelnen Gruppe in einer zahllosen Menge von Arbeitern! Sie würde für sich allein eine politische Staatsform bilden, eine menschliche Verfassung, eine feste soziale Basis. Wir werden nur geboren, um eine Biene im Bienenkorb zu sein, um eine Sekunde lang unsere kleine Kraft mit den anderen Kräften zu vereinigen, wir können die Notwendigkeit unseres Lebens nicht anders erklären, als daß die Natur noch eines Arbeiters bedurft hat, um ihr Werk zu fördern. Jede andere Erklärung ist hochmütig und falsch. Unsere eigenen Existenzen dienen nur zur Vorbereitung des allgemeinen Lebens der Zukunft. Es ist kein Glück denkbar, wenn wir es nicht im gemeinschaftlichen Glück der ewigen, gemeinsamen Arbeit suchen. Und daher möchte ich, daß endlich die Religion der Arbeit zur Menschenreligion werde, daß wir Hosianna singen der erlösenden Arbeit, der einzigen Wahrheit, der höchsten Glückseligkeit, der Gesundheit, dem Frieden!«

Der Autor

Zola

Émile Zola (1840-1902) Schriftsteller und Journalist, gilt als einer der großen französischen Romanciers des 19. Jahrhunderts und als Begründer des literarischen Naturalismus. Zugleich war er ein sehr aktiver Journalist, der sich auf einer gemäßigt linken Position am politischen Leben beteiligte. Sein Artikel »J’accuse« (Ich klage an) spielte eine Schlüsselrolle in der Dreyfus-Affäre, die Frankreich jahrelang in Atem hielt, und trug entscheidend zur späteren Rehabilitierung des fälschlich wegen Landesverrats verurteilten Offiziers Alfred Dreyfus bei. 1867 hatte Émile Zola mit seinem dritten Roman »Thérèse Raquin« bereits Aufsehen erregt. 1869 begann er mit der Arbeit an dem monumentalen Zyklus »Die Rougon-Macquart«, der ihn mehr als zwanzig Jahre lang beschäftigen sollte. Die ersten Romane des Zyklus haben eine satirische und politische Stoßrichtung. Als nach der Ausrufung der Republik sein Roman »Die Beute« (1871) Opfer der Zensur wurde, war Zola von der Politik und ihren Vertretern zutiefst enttäuscht. 1880 wurde ein schwieriges Jahr für den Schriftsteller. Der Tod von Edmond Duranty und Gustave Flaubert erschütterten ihn ebenso wie der Tod seiner Mutter am Ende des Jahres. Da er mittlerweile durch die regelmäßige Veröffentlichung der Rougon-Macquart-Romane finanziell unabhängig war, gab er 1881 seine Tätigkeit als Journalist auf. Zu den Stärken von Zola gehörten seine Schaffenskraft und die Beständigkeit gemäß seinem Motto: »Nulla dies sine linea« (Kein Tag ohne eine Zeile). In den Jahren 1894 bis 1898 veröffentlichte Zola einen zweiten Romanzyklus: »Trois Villes« (Drei Städte: Lourdes, Rom, Paris), danach folgte ein dritter: »Quatre Evangiles« (Vier Evangelien: Fruchtbarkeit, Arbeit, Wahrheit, Gerechtigkeit), dessen vierter Band jedoch unvollendet blieb.

Der Übersetzer

Leopold Rosenzweig (1873-1943), deutsch-jüdischer Autor und Übersetzer, wurde von den Nazis in Theresienstadt ermordet.

 

 


 

 

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